Alessandro Zanardi – Seine Karriere, sein Unfall, sein Sieg beim Ironman

Liebling der Champ Car Fans

Viele werden den 48-jährigen Italiener aus dem Motorsport kennen. In den 1990er Jahren startete er bei 41 Grand-Prix-Rennen der Formel 1-Weltmeisterschaft und in der US-Formel-Rennwagenserie Champ Car gewann er in den Jahren 1997 und 1998. Er war in den 1990er Jahren der Star in der amerikanischen Champ Car Serie und wegen seiner draufgängerischen Art bei den Fans beliebt. Leider verunglückte Zanardi 2001 bei einem Rennen auf dem deutschen Euro Speedway in der Lausitz so schwer, dass ihm beide Beine oberhalb der Knie amputiert werden mussten. Er kam bei der Ausfahrt aus der Box ins Schleudern und Alex Tagliani krachte ungebremst mit 320 km/h in sein Auto. Dank der schnellen medizinischen Versorgung überlebte Zanardi den Unfall und rückblickend muss man sagen, dass es einem Wunder gleichkommt, dass er heute noch Sport treiben kann.

Nach nur zwei Jahren saß er wieder in einen Rennwagen und fuhr auf dem Lausitzring sein verunglücktes Rennen von 2001 zu Ende. Unter dem Jubel der Fans absolvierte Zanardi die von 2001 fehlenden 13 Runden in einem extra für ihn umgebauten Champ Car. Beachtlich ist vor allen Dingen, dass die Rundenzeiten für den 5. Rang der Qualifikation gereicht hätten. Wer jetzt denkt, dass Zanardi mit dem Motorsport abschließen würde, der irrt.

2005 und 2009 ging er bei der Tourenwagen-Weltmeisterschaft für BMW an den Start. Der speziell für ihn umgebaute Wagen war so ausgestattet, dass er mit der Hand Gas geben und mit der Prothese des rechten Beins die Bremse betätigen konnte. 2005 gewann er dann das Rennen der Tourenwagen-WM in Oschersleben. Es war der erste Sieg seit seinem schweren Unfall. 2009 verabschiedete er sich vorerst vom Rennsport.

 

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Zanardis zweite Sportkarriere

Neben dem Motorsport hat Zanardi seine Leidenschaft für den Ausdauersport entdeckt. Nach nur vier Wochen Training auf dem Handbike nahm er 2007 am New York Marathon teil und wurde auf Anhieb Vierter in seiner Klasse. Beim erneuten Start 2011 konnte er den Sieg des New York Marathons mit nach Hause nehmen. Ein Handbike ist ein Fahrzeug, welches allein durch die Kraft der Arme angetrieben wird.

Im Sommer 2012 startete er bei den Paralympics in London ebenfalls mit dem Handbike. Zweieinhalb Jahre bereitete er sich auf diese Teilnahme vor, bis zu 80 km in der Woche saß er auf dem Handbike und als damals 45-Jähriger war er eher ein Senior im Feld der Paralympics-Starter. Selbst sein Trainer ist 16 Jahre jünger als er. Seine Mühen wurden mit einer Goldmedaille belohnt: Er gewann das Handbike-Zeitfahren über 16 km in 24:50,2 Minuten. Insgesamt konnte er bereits zwei paralympische Goldmedaillen und sage und schreibe acht Weltmeistertitel gewinnen.

Sein Triathlondebüt gab er im Oktober 2014 in Hawaii beim weltberühmten Ironman. Es war sein erster Wettkampf im Triathlon. Letztes Jahr erwarteten ihn noch viele Ungewissheiten, gerade was die Wechsel und die alessandro zanardi3Wetterbedingungen anging. So konnte Zanardi dieses Jahr auf die Erfahrungen des Vorjahres zurückgreifen und wusste zum Beispiel, dass die Wechsel zwischen den Sportarten für ihn kein Problem darstellen würden. Beim Berlinmarathon im September 2015 mischte er sich auch unters Starterfeld und absolvierte den Parcours in der deutschen Hauptstadt mit einem Liegend-Handbike. Auch hier konnte er seinen Kampfgeist wieder einmal eindrucksvoll zur Schau stellen. Neun Kilometer vor dem Ziel riss die Kette seines Gefährts, aber da Aufgeben nicht in Frage kam, setzte er sich auf die Hinterachse und schob das Handbike wie einen Rollstuhl. Berlin ist die Stadt seiner zweiten Geburt, hier wurde er 2001 nach dem Unfall am Lausitzring mehrfach operiert, und so war es bei Deutschlands größtem Laufevent für ihn unvorstellbar, einfach aufzugeben, nur weil er einen technischen Defekt hatte. Viel Zeit zum Ausruhen hatte er nicht, am 10. Oktober 2015 absolvierte er den Langstrecken-Triathlon auf Hawaii. Zanardi ist ein Mensch mit einem enormen Kampfgeist und einer Willensstärke, die ihresgleichen sucht. Trotz seiner Behinderung scheint er ewig rastlos und immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Er ist schlichtweg ein Phänomen mit einer großen Portion Lebensfreude.

ironmanhawaiiWas ist der Ironman Hawaii?
Am 10. Oktober 2015 waren wieder die besten Triathleten der Welt in Hawaii unterwegs, um bei enormer Hitze und starkem Wind den bekanntesten Wettkampf der Triathlonszene zu absolvieren. Es wurden 3,86 Kilometer im Meer geschwommen, 180,2 km Rad gefahren und danach noch ein Marathon von 42,195 km gelaufen. Der Sport, der medientechnisch in Deutschland wenig Beachtung findet, hat es nach dem deutschen Doppelsieg selbst in die Tagesschau am Sonntag geschafft. Jan Frodeno konnte das schweißtreibende und spannende Rennen für sich entscheiden und ist nun der neue Weltmeister. Der Rostocker Andreas Raelert wurde Zweiter. Für seine Fans war es ein sehr spannendes und herzzerreißendes Rennen. Raelert war der Unglücksvogel in dem Rennen: Er hatte auf der Radstrecke einen platten Reifen und beim Versuch anzuhalten stürzte er. Die Helfer waren aber zum Glück schnell zur Stelle und so konnte Raelert seine Aufholjagd weiter fortsetzen. Als noch Elfter wechselte er zum Laufen und legte trotz großer Hitze den Marathon in 2:50:02 Stunden zurück. Mit der zweitbesten Laufzeit rollte er das Feld von hinten auf, nur Jan Frodeno war uneinholbar für ihn. Neben den Profis standen auch die sogenannten „Age-Grouper“ am Start. Das sind Amateure, die in verschiedenen Altersklassen gewertet werden. Neben dem Sport haben diese Athleten ein normales Arbeitsleben und müssen Beruf und Training unter einen Hut bekommen.

Alessandro Zanardi – siegt in seiner Klasse

In dem Starterfeld der körperlich beeinträchtigten Athleten fand sich dieses Jahr zum zweiten Mal der beinamputierte Alessandro Zanardi. Er absolvierte das Rennen nur mit der Kraft seiner Arme. Das selbst gestellte Ziel, seine Vorjahreszeit zu verbessern, erreichte er trotz schwierigster Bedingungen mit starkem Wind und sehr hohen Temperaturen von über 35°C. Zanardi bewies ein hohes Maß an Willensstärke und erreichte das Ziel in 9:40:37 Stunden und wurde im Starterfeld der körperlich beeinträchtigten Athleten Erster. Er war insgesamt sieben Minuten schneller als im Vorjahr. Beim Schwimmen hatte er einen speziellen Anzug an, der seinem Körper die Wasserlage erleichterte. Trotz der Tatsache, dass ihm beim Schwimmen schwindelig wurde, wechselte er nach 3,86 Kilometern im Wasser auf die Radstrecke. Die 180,2 Kilometer absolvierte er mit einem Handbike, um dann auf die Laufstrecke zu wechseln. Mit dem Rennrollstuhl legte er die 42,195 km Marathondistanz in 2:27:28 Stunden zurück. Insgesamt sind elf körperlich beeinträchtigte Athleten angetreten, nur neun erreichten das Ziel.
Comeback als Rennfahrer

Und so ist es nicht verwunderlich, dass Zanardi im Motorsport wieder aktiv ist. Der BMW Werksfahrer startete bereits 2014 in der Blancpain GT Sprint Series mit seinem eigens für ihn modifizierten BMW Z4 GT3 und kämpft seither wieder für Rennerfolge, da er im Herzen immer ein Rennfahrer geblieben ist.

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