Lerne Deinen Körper zu lesen

Jeder Läufer wird es sicherlich schon einmal gehört haben: “Du solltest auf deinen Körper hören.” Doch wie genau stellt man das an und warum ist es so wichtig?

Nach einer Verletzung oder einer schlechten Leistung hören wir oft, dass wir auf unseren Körper hätten hören sollen. Dann hören wir für ein paar Wochen “hin”, schonen und erholen uns. Sobald wir dann das Training wieder aufnehmen können, verschwindet unser Vorsatz, auf die Signale des Körpers zu hören.

Viele Alltagsgeräusche blenden wir einfach aus, so zum Beispiel das Rauschen des Computers am Arbeitsplatz. Und genauso blenden viele die täglichen Schmerzen und Wehwehchen aus, denn sie gehören bei vielen Läufern einfach dazu. Wenn man jedes Mal das Training ausfallen lassen würde, nur weil man sich nicht zu 100% fit fühlt, dann würden viele von uns wahrscheinlich gar nicht laufen. Ein Problem ist es, wenn die Schmerzen zur Gewohnheit werden und somit kaum noch wahrgenommen werden. Wenn wir nicht mehr merken, dass wir erschöpft sind, weil die Erschöpfung zum Normalzustand wird. Wenn wir die Schmerzen ausblenden und dann vergessen, wie es ist, sich gut zu fühlen. Oder wenn kleine Schmerzen, die wir verdrängt haben, ein Fall für den Arzt werden.

In gewissem Maße ist es ein Balanceakt: haben wir nicht oft ein taubes Ohr für unseren Körper, der uns in der Hälfte eines Wettlaufs anschreit, aufzuhören? Wir ermutigen uns, weiterzumachen und die Schmerzen für den Moment auszublenden. Und genau dann verschwimmen Problem und Lösung. Denn jeder Läufer muss für sich selbst entscheiden, wie viel Schmerz, Qual und welche Beschwerden für ein Training oder einen Wettkampf für ihn normal sind und wann es eine Verletzung ist. Aber… wie entscheidet man das? Wie verstehen wir das, was uns unser Körper sagen will?

“Du darfst die Warnlichter nicht ignorieren.”

Wir haben ein paar einfache Tipps für euch:

  1. Aufwärmen. Es ist von Vorteil, wenn du die ersten Schritte deines Laufs ruhig angehen lässt. So wirst du besser spüren, wie es deinem Körper geht. Lass dir Zeit und nutze die ersten Minuten des Laufs, um deine Beine zu spüren.
  2. Konzentriere dich auf die Regeneration. Viele kennen es vielleicht: Wenn man vom Training nach Hause kommt, wird man von vielem abgelenkt, z.B. sieht man beim Blick auf das Smartphone E-Mails oder andere Nachrichten, die beantwortet werden wollen. Dann ist man leicht dazu verleitet, diese zu beantworten, während man sich dehnt oder eine Massagerolle für die Regeneration der Muskeln nutzt. Das solltest du nicht tun, denn die Nachrichten können auch nach der Regeneration noch beantwortet werden. Konzentriere dich auf das, was du tust. Mach es langsam, atme ruhig und denk darüber nach, wie sich deine Beine anfühlen. Denn genau an diesem Punkt kannst du Verletzungen vorbeugen, bevor sie dich vom Training abhalten.
  3. Nimm eine kleine Auszeit. Setz dich nach deinem Lauf auf die Veranda, auf die Stufen vor deiner Wohnung, auf die Stoßstange deines Autos, auf die Bordsteinkante oder woanders hin und lass deinen Körper in Ruhe atmen. Mach die Schuhe auf und spüre mögliche Schmerzen. Höre auf deinen Körper.
  4. Schreib es auf. Manche nutzen Papier und Stift für ihr Trainingstagebuch, andere lieben die Daten, die von GPS und Online-Trainingstagebüchern zur Verfügung gestellt werden. Manche nutzen sogar beide Möglichkeiten. Schreibe auf, wie es dir geht, und füge im Trainingstagebuch Beschreibungen hinzu. “Habe mich gut gefühlt” sagt viel aus, “Habe mich wie tot gefühlt” sagt sogar noch mehr aus. Auch ein Protokoll über die Herzfrequenz nach dem Aufwachen zu führen, ist durchaus sinnvoll, daraus kannst Du Rückschlüsse auf deine Gesundheit und deine Fitness ziehen.

 

Du darfst die Warnlichter nicht ignorieren. Wenn wir im Auto die Motorkontrollleuchte aufleuchten sehen, fahren die meisten sofort in die Werkstatt, um das Problem zu beheben. Andere öffnen die Motorhaube, kontrollieren den Motor auf Lecks, wechseln das Öl und achten mehr auf das Auto. Manche bemerken die Motorkontrollleuchte nie und landen dann mit einem Motorschaden am Straßenrand. Gib dir und deinem Körper eine Chance. Nimm dir nach jedem Lauf mindestens 30 Sekunden, um einzuschätzen, wie es dir geht. Auf lange Sicht wird es einen großen Unterschied machen.

Bildquelle: piqs.de

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