Carbonfasern in Laufschuhen – die Zukunft?

Ein Laufschuh, der schneller macht – das ist wohl der Traum jedes ambitionierten Läufers. In den letzten Jahren wurde in Läuferkreisen viel über Themen wie Sprengung und Dämpfung diskutiert. Doch seit Nike’s aufsehenerregendem Breaking2 Projekt und dem Release des VaporFly 4% steht erneut die Geschwindigkeit im Fokus. Alles dreht sich um die grundlegende Frage: Was macht einen Laufschuh schneller und leistungsstärker? Carbonfaserplatten könnten die Antwort sein.

Obwohl Carbonfasern bereits seit den frühen 90ern in den Mittelsohlen von Laufschuhen zum Einsatz kommen, hat dieses besonders leichte Material in Läuferkreisen bisher kaum für Aufsehen gesorgt. Erst mit dem Nike VaporFly 4% hat sich das grundlegend geändert. Immer mehr Marken verwenden heute Carbonfaserplatten, um die Energierückgewinnung und Effizienz ihrer Laufschuhe zu verbessern – darunter auch Hoka One One, die mit dem Evo Carbon Rocket+ einen wettkampftauglichen Racer mit durchgängiger Carbonfaserplatte auf den Markt bringen. Wir werfen einen genauen Blick auf den vielversprechenden Werkstoff der Zukunft, sein Einsatzspektrum im Laufschuhbereich und den vieldiskutierten „Bounce-Effekt“ der neuartigen Carbonfaserplatten.

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Superleicht, biegesteif und zugfest – mit diesen Eigenschaften ist das hoch belastbare High-Tech-Material geradezu prädestiniert für die Herstellung von Sportausrüstung. Ob Rennrad oder Skistock – kaum ein Sportgerät kommt heutzutage ohne Carbon aus. Die Tatsache, dass Carbon große Mengen an Energie aufnehmen und weitergeben kann, macht es aber auch für die Laufschuhindustrie interessant. Reebok war Anfang der 90er die erste Firma, die Carbonfasern in ihre Laufschuhe integrierte. Beim Reebok Pump Graphlite und Graphlite Road kam erstmals eine Mittelfußbrücke aus Carbonfasern zum Einsatz. Wenige Jahre später wurde der Instapump Fury ebenfalls mit der bahnbrechenden Graphlite-Technologie ausgestattet. Auch Adidas verbaute bereits 2001 beim Gazelle Pro Plate eine steife Carbonfaserplatte in der Sohle, die die Energierückführung der Laufschuhe erhöhen sollte. Trotz dieser vielversprechenden Anfänge versanken Carbonfasern in den folgenden Jahren wieder in der Versenkung, da ihr Einsatz zunächst noch sehr kostspielig war.

Das sollte sich erst 2008 ändern, als der Sportausrüster Zoot mit dem Ultra Race einen Laufschuh speziell für Triathleten auf den Markt brachte. Zoot-Chefdesigner Aaron Azevedo war in den frühen 90ern Schuh-Entwickler bei Reebok, als das Label erstmals Carbonfaserplatten einsetzte. Er nahm sich das Design von Reebok’s Graphlite Mittelfußbrücke zum Vorbild und passte es an die speziellen Bedürfnisse von Triathleten an. Die CarbonSpan+ Platte in der Zwischensohle macht die Triathlon Laufschuhe von Zoot nicht nur wesentlich leichter, sondern unterstützt auch die Abrollbewegung und wirkte so dem frühzeitigen Ermüden der Fußmuskulatur entgegen.

Auch Weltmarktführer Nike hatte das immense Potential der ultraleichten Carbonfasern erkannt und sammelte als Sponsor des unterschenkelamputierten Ausnahmesprinters Oscar Pistorius grundlegende Erfahrungen mit dem Material. Den Carbonfaserprothesen des südafrikanischen „Blade Runners“ fehlte es an Grip, und so entwickelte Nike 2012 eine innovative Carbonfaserplatte mit Spikes, die an den Füßen seiner Prothesen befestigt wurde.

Heute setzten viele Laufschuhhersteller auf die ultraleichten Carbonfasern

Doch letztendlich war es wieder einmal der erbitterte Konkurrenzkampf mit Adidas, der die Swoosh-Brand zu innovativen Höchstleistungen antrieb. Lange Zeit galt der Adidas Adizero Adios in Läuferkreisen als schnellster Marathonschuh der Welt: Beim Berlin Marathon 2008 trat Lauflegende Haile Gebrselassie in diesem Adidas Laufschuh seinen Siegeszug an, und auch Dennis Kimetto brach 2014 den Weltrekord in einem Adizero Adios Boost. Doch 2017 gelang der Konkurrenz aus Oregon der große Wurf: Mit dem VaporFly 4% brachte Nike einen revolutionären Laufschuh an den Start, mit dem Eulid Kipchoge beim Berlin Marathon 2018 eine überragende Weltbestzeit von 2:01:39h aufstellte. Der schnelle Nike Racer sorgte für einigen Zündstoff – Grund war die integrierte Carbonfaserplatte, die ähnlich wie eine Sprungfeder funktioniert. Die löffelförmig gebogene Platte in der Mittelsohle speichert bei jedem Schritt Energie und gibt sie in der Abdruckphase wieder ab, sodass der Läufer regelrecht nach vorn katapultiert wird. Laut Nike lasse sich damit bis zu 4% Energie sparen. Der VaporFly 4% schlug ein wie eine Bombe, aber zeitglich wurden Befürchtungen laut, der schnelle Nike Schuh könne im kommerziellen Laufsport einen unfairen Wettbewerbsvorteil bringen. Einige forderten sogar das Verbot des Schuhs, was dem Hype um Nike’s neue Geheimwaffe keinen Abbruch tat – im Gegenteil. Heute setzten viele Laufschuhhersteller auf die ultraleichten Carbonfasern – und das nicht erst seit dem Release des VaporFly 4%. So verwenden unter anderem auch die Marken Salming und 361° eigens entwickelte Carbonfaserplatten im Mittelfußbereich ihrer Performance Laufschuhe.

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Mit dem Evo Carbon Rocket+, der ab sofort  auch im Runster Shop erhältlich ist, präsentiert uns Hoka One One einen besonders vielversprechenden Kandidaten. Die französische Laufschuhschmiede arbeitet schon seit längerem mit Carbonfasern und hat in Zusammenarbeit mit Top-Athleten aus dem Hoka One One Team einen aggressiven, aber  gut gedämpften Wettkampfschuh entwickelt. Dabei sollen die durchgängigen Carbonfaserplatten des Evo Carbon Rocket+ ein besonders reaktives und schnelles Laufgefühl vermitteln. Wir sind gespannt, ob der neue Hoka Racer dem Nike VaporFly 4% Konkurrenz machen kann. Das Rennen um den schnellsten Laufschuh geht auch 2019 weiter!

Hoka One One Carbon Rocket

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